Erfahrungsmedizin

Ein Begriff für eine Vielzahl von Therapiemethoden


Was bedeutet Erfahrungsmedizin?

Wir nennen es Erfahrungsmedizin. Andere nutzen Bezeichnungen wie Alternativmedizin, Komplementärmedizin, integrative Medizin, Volksmedizin, Naturmedizin, traditionelle oder sanfte Medizin. In der Schweiz am bekanntesten ist der Begriff Komplementär- und Alternativmedizin, häufig abgekürzt als KAM.

Bei all diesen Bezeichnungen handelt es sich um Sammelbegriffe, eine allgemeingültige Definition für diesen Bereich der Medizin gibt es nicht. Das Spektrum der Behandlungsmethoden ist breit, es reicht von Naturheilverfahren, körperorientierten Methoden, traditionellen Medizinsystemen aus unterschiedlichen Ländern und Heilmitteln bis hin zu Diagnose- und Entspannungsverfahren.

Bei der Gründung des EMR im Jahr 1999 haben wir nach einem Begriff gesucht, der diese Vielfalt einschliesst und das Erfahrungswissen betont, das vielen Methoden zugrunde liegt.

Heute fassen wir unter der Bezeichnung Erfahrungsmedizin eine Vielzahl von Methoden und Berufsabschlüssen zusammen, mit denen gesundheitliche Beschwerden festgestellt und behandelt werden oder die zur Vorbeugung geeignet sind. Erfahrungsmedizinische Verfahren können sowohl ergänzend zur konventionellen, naturwissenschaftlich geprägten Medizin als auch zur Stärkung der eigenen Ressourcen eingesetzt werden. Sie zeichnen sich alle durch ein umfassendes Gesundheitsverständnis aus, unterscheiden sich aber in ihrer Herangehensweise, ihren Konzepten und ihren Erklärungsmodellen.

Einen Überblick über die Behandlungsmethoden der Erfahrungsmedizin verschaffen Ihnen unsere MethodenbeschreibungenMethodenbeschreibungen.
Erfahrungsmedizin

Die Schweiz sagt JA zur Komplementärmedizin

Erfahrungsmedizin ist «in»: Viele Menschen schätzen Methoden wie Osteopathie oder Shiatsu und nutzen sie zur Gesundheitsvorsorge oder als Ergänzung zur Schulmedizin. Wie beliebt die Erfahrungsmedizin ist, hat die Volksabstimmung von 2009 gezeigt: Eine deutliche Mehrheit der Schweizer Bevölkerung hat damals für eine Stärkung der Komplementärmedizin gestimmt.

Seither haben Bund und Kantone eine Reihe von Massnahmen geplant bzw. umgesetzt1:

  • Arzneimitteln der Komplementärmedizin und Pflanzenheilkunde soll in Zukunft der Zugang zum Markt erleichtert werden.
  • Kenntnisse über Komplementärmedizin stehen künftig auf dem Lehrplan von Studierenden der Medizin, Zahnmedizin, Tiermedizin und Pharmazie sowie von Chiropraktorinnen und -praktoren.
  • Seit 2015 gibt es eine Reihe von eidgenössischen Berufsabschlüssen für Alternativmedizin, KomplementärTherapie oder Kunsttherapie. Therapeutinnen und Therapeuten mit diesen Abschlüssen können das EMR-Qualitätslabel erleichtert erwerben und über die SuchfunktionenSuchfunktionen der EMR-Website gefunden werden.
  • Bestimmte komplementärmedizinische Methoden werden von der Grundversicherung bezahlt, wenn die Leistungen von Ärztinnen oder Ärzten mit entsprechenden Fähigkeitsausweisen erbracht werden. Diese Methoden sind: Akupunktur, Arzneimitteltherapie der Traditionellen Chinesischen Medizin, anthroposophische Medizin, klassische Homöopathie und Pflanzenheilkunde (Phytotherapie).

Im Jahr 2017 hatten knapp 1000 Ärztinnen und Ärzte einen Fähigkeitsausweis für eine dieser Methoden2. Demgegenüber gibt es schätzungsweise rund 30'000 nicht-ärztliche Therapeutinnen und Therapeuten, die ein breites Spektrum von erfahrungsmedizinischen Verfahren anbieten. Diese arbeiten mehrheitlich in eigenen Praxen, ein geringerer Anteil ist in Gemeinschaftspraxen, Gesundheitsinstitutionen oder Spitälern angestellt.


Quellen
  1. www.bag.admin.ch/bag/de/home/strategie-und-politik/nationale-gesundheitspolitik/stand-umsetzung-des-neuen-verfassungsartikels-zur-komplementaermedizin.html, Stand der Umsetzung des neuen Verfassungsartikels zur Komplementärmedizin, Stand der Website v. 21.9.2018
  2. fmh.ch > Themen > Ärztestatistik > FMH-Ärztestatistik 2018, Stand der Website v. 16.04.2019